Mallorca 312 – 2017, ein Gastbeitrag

Prolog Mallorca 312

Jetzt war es wieder soweit. Die Aufregung auf Level Rot, die Selbstzweifel ob das Training gelangt hat, waren auf dem Höhepunkt. Aber der Reihe nach …

Nach dem ich mir letztes Jahr meinen Wunsch erfüllt habe, die Mallorca 312 zu fahren ( Bericht siehe hier), hatte ich eigentlich mit dem Thema abgeschlossen. Mir wurden als Flachlandfahrer aus Bremen meine Grenzen gezeigt und gut.

Aber was macht Heiko, die Pflaume? Ruft mich kurz vor Öffnung der Registrierung an und fragt, ob ich noch mal fahren wollte. Mit ihm. Nein, wollte ich nicht! Diese Einstellung hielt zwei Wochen. Dazwischen viele Telefonate, dann hatte er mich so weit. Irgendwie bin ich kein standhafter Mensch 😉.

Aber wie im letzten Jahr kam auch dieses Mal wieder alles anders. Der Hauptgrund mich nochmal zu quälen, war der Gedanke, das Ding mal nicht alleine fahren zu müssen. Jemand zum Quatschen dabei zu haben – sich gegenseitig zu motivieren- Teamwork halt …

Somit haben wir uns fix am ersten Tag angemeldet, Flüge gebucht und Hotelzimmer reserviert. Das ganze Programm. Aber was kam dazwischen? Die Religion! Genauer gesagt die katholische Religion. Heiko rief reumütig an und offenbarte mir, dass sein Patenkind an dem Wochenende Kommunion feiert. Meine Reaktion als bekennender Atheist: „Ja und!“ – Allerdings sehen das die süddeutschen Katholiken wohl nicht so locker. Zack war mein Partner weg ☹.

Versuche rennradaffine Bekannte für diese kleine Spritztour zu motivieren, schlugen allesamt fehl. Also darauf einrichten wieder mal eine One-Man-Show zu fahren.

Das Training für die mAllorca 312

Wie im Jahr vorher startete ich das Training 6 Monate vor dem Renntermin. Bzw. versuchte es. Geplagt von einer Grippe und Erkältung zur nächsten kam gar nichts zu Stande. So schleppte ich mich durch den November bis hin zur Mitte des Dezembers. Hier stand eine Leistungsdiagnostik bei STAPS in Hamburg an, um einmal meinen Leistungsstand zu definieren, die Schwächen zu erkennen und das Training möglichst passend zu gestalten. Das Ergebnis war unterirdisch.

Ohne weitere Kränkelleien begann in 2017 endlich ein halbwegs passables Training. Schon Mitte Februar, wo ich immer meinen Saisonauftakt in Portugal starte (Bericht),  sah alles viel besser aus (600km mit 7.500 Höhenmetern).  Das Training von STAPS zeigte seine Wirkung und alles ging locker und flockig. Als ich dann im Februar auch noch einen Startplatz für den Ötztaler gewonnen habe, entschied ich mich, mein Arrangement mit STAPS zu verlängern. Somit folgte im März eine weitere Leistungsdiagnostik mit deutlich verbesserten Werten. STAPS hatte nun die Herausforderung alle meine „großen“ Veranstaltungen (Mallorca 312, R2NSC, Hamburg Triathlon und den Ötztaler) zu berücksichtigen und mein geringes Zeitpensum unter der  Woche bestmöglich auszunutzen. In der Regel besteht mein Training aus 60 bis 90 Minuten Einheiten, die ich abends ab 20 Uhr auf der Rolle absolviere. Es kam noch die eine oder andere längere Rolleneinheit am Wochenende hinzu und ich schaffte es sogar mal für eine 200km Einheit nach draußen 😊.  Im Vergleich zum Vorhjahr gehe ich mit ca. 700 Trainingskilometern weniger an den Start. Ob das für einen Flachland-Bremer reicht, muss sich zeigen …

 

Die Anreise zur Mallorca 312

Am Donnerstag den 27.04.2017 ging es dann endlich los. Mit gepackten (Rad-)Koffern und dem bekannten Billifgflieger ab auf die Insel. Als moralischer Support begleitete mich ein Kumpel aus der verbotenen Stadt, wo kein Fußball gespielt wird. Der Freitag wurde genutzt, um das Rad aufzubauen und eine ganz lockere Einrollrunde zu absolvieren. Dabei wurden die Startunterlagen abgeholt. Auch Heiko, der Betbruder, sollte glücklich werden. Ich bekam auch seine Unterlagen mit dem Mallorca 312 Trikot, was er aber nie anziehen darf 😉.

Die Vorbereitung zur Mallorca 312

Mit viel Flüssigkeit und Kohlenhydraten den Tag verbracht, gab es abends dann das eine oder andere Glas Rotwein zur Beruhigung. Um 23 Uhr ins Bett, um dann vor Aufregung ab 3:15 Uhr knallwach zu sein und nicht weiterschlafen zu können – das übliche Spiel …

Somit saß ich früher als geplant beim Frühstück und es gesellten sich noch ein paar weitere Fahrer aus dem Hotel dazu.

Um 5:30 nun der Aufbruch Richtung Playa de Muro. Ich war da noch mit einer Gruppe Düsseldorfer (die angeblich aus Köln kommen) verabredet, die ich über Facebook kennengelernt hatte. Da Dimitrios und ich laut Strava ungefähr die gleiche Leistungsklasse zu seien schienen und seine Kumpels ein oder zwei Level höher anzusiedeln waren, wollten wir beide zusammenfahren. Die Strecke nach Playa de Muro war schon eine klare Ansage was bis zum Start passieren sollte: FRIEREN! Mein Garmin zeigte 3 Grad und meine Wetter-App 4 Grad und keine passenden Klamotten an. Die Düsseldorfer hatten Ihren eigenen Jackenträger dabei und standen bis kurz vor dem Start schön verpackt im Startblock…

 

Der Start der Mallorca 312

Im Gegensatz zum letzten Jahr, war der Startbereich nun auf der linken Seite der Hauptstraße und es wurde penible darauf geachtet, dass die zugeteilten Startblöcke eingehalten wurden. Viele mit falschen Startnummernfarben wurden wieder aus dem Block aussortiert. Die 2.000 zusätzlichen Starter dieses Jahr merkte man deutlich (auch später auf der Strecke…)

Der Start erfolgte mit 13 Minuten Verspätung und dann dauerte es noch eine gefühlte Ewigkeit bis ich über die Startlinie rollte …

Die ersten 26 km wurden wie immer von den „Green Dotted“ des Veranstalters angeführt. Das Tempo war gefühlt zum Vorjahr schon deutlich fixer. Bei dem angesagten Wetter, dachte sich sicherlich der ein oder andere, heute geht noch was …

Dimitrios habe ich dann leider zwischen der ersten Pinkelpause und dem ersten Anstieg aus den Augen verloren.

 

Die Strecke 2107 der Mallorca 312

Im Vergleich zum letzten Jahr wurde die Strecke wieder modifiziert. Die 312 km sind geblieben aber durch die Änderung wurden es noch etwas mehr Höhenmeter. Diesmal nun 5.050 hm. Als alter Hase mit schon einer Fahrt 😉 macht man sich natürlich eine Rennstrategie. Also alte und neue Strecke übereinandergelegt und festgestellt, bis ca. 200km ist alles bekannt. Zielsetzung definiert: 6% früher an den Verpflegungspunkten sein. Eine Zeittabelle auf den Startscreens des Handys und alles wird gut. So der Plan.

Nach dem ersten Stück Flachetappe, nun die Bodenwellen bis zum Puig hochfahren. Ging recht easy und ich versuchte mich innerhalb meiner definierten Watt-Werte zu bewegen. Die erste Verpflegungsstation am Stausee kurz vor der letzten Steigung zum Puig wurde wieder ausgelassen. Blick auf die Uhr – voll im Zeitplan. Allerdings merkte man hier schon sehr deutlich wie voll es auf der Strecke war. Ich musste absteigen, um vorbei/durch zu schieben. Ich fuhr die letzten Meter zum Puig hoch, um dann bei optimalem Wetter die herrliche Abfahrt nach Soller zu genießen. Ich muss ja sagen, ohne Dauerrregen kann das ja richtig Spaß machen. Hier hatte ich heute das erste Mal Pippi vor Freude in den Augen 😊.

Unten in Soller dann Windbreaker und Beinlinge aus und ab zur nächsten Verpflegungsstation. Auf dem Weg dahin ein großer Skandal!! Team-Doping. So um Kilometer 90. Ein Busch 3 MTBs. 2 Frauen. Ein Fahrer vor uns wird langsamer. Hält an. Steigt ab. Nimmt den Helm ab und geht ins Gebüsch. Anderer Mann kommt aus dem Gebüsch. Setzt den Helm auf und fährt weiter. Buh Rufe der anderen Teilnehmer: Unbezahlbar … (Ich habe lange überlegt, aber die Sinnhaftigkeit hat sich mir bis heute nicht erschlossen, da es ein Teilnehmer aus dem hinteren Mittelfeld wie ich war und die eh nichts reißen konnten).

Jetzt erreichte ich meinen ersten Verpflegungspunkt. Was letztes Jahr schon Ausnahmezustand war, würde in den diesjährigen Ausmaßen in Deutschland mit Hundertschaften und Wasserwerfern kontrolliert werden. Allein der Stau zur Anfahrt ging gar nicht. Ich entschloss mich 2 Bananen mitzunehmen und nur meine Flaschen zu füllen. Der Aufenthalt, bis ich durch war, fühlte sich ewig an. Aber der Zeitplan sagte: noch alles im Grünen Bereich.

Man denkt bei solchen Fahrten ja immer in Abschnitten. Ich teile mir die Strecke in die Zwischenziele der Verpflegungspunkte ein und hangel mich von Station zu Station. Ich wusste aus dem letzten Jahr, dass jetzt das Stück kommt bei dem ich am meisten gelitten hatte. Ich war sehr überrascht wie entspannt ich dann den nächsten Punkt erreichte. Wieder eine Flasche aufgefüllt, auf den Zeitplan geschaut und begeistert festgestellt, dass ich nun weit vor meiner Planung war und mir entspannt Zeit ließ 😊…

FEHLER!!! Was ich nicht wusste, die Verpflegungsstation wurde 7 km vorverlegt. Der Anstieg kam erst noch. Also Zeit vertrödelt. Als ich dann auf der Strecke den alten Verpflegungspunkt wiedererkannte, war ich mal so richtig angepisst ☹

Was soll‘s. Zeit gut machen, weiterfahren. Vor dem nächsten Teilziel wurden die Teilnehmer der 167km wieder auf unsere Strecke geführt. Es wurde richtig voll. Jetzt hatte ich zum einen eine größere Chance auf flachen Stücken eine Gruppe zu finden, musste aber höllisch aufpassen, nicht zu überpacen, weil die 167 und 225 waren ja bald durch mit ihrer Strecke.

An der Station bei 186km war dann mal so richtig Alarm. Hier sollte wohl für die Teilnehmer der kleinen Runden das Highlight in Arta nachgestellt werden. Also Bier und Musik. Hossa.

Auf geht’s, die nächsten Stationen werden besser, da sind die anderen ja schon zu Hause 😉. Auf diesem Teilstück fuhr irgendwie die Angst mit. Ab km 195 wurde ich saumäßig nervös, dass ich die Abfahrt zur 312 verpasst habe und auf der falschen Strecke bin. Alle möglichen Leute interviewed, aber keiner wusste Bescheid. Alle Befragten waren auf den kurzen Strecken. Bei ca. km 216 kam die Erlösung – Streckenteilung…

In der Tat war die nächste Station deutlich leerer. Wir befanden uns jetzt auf dem neuen Teil der Strecke. Katastrophale Auswahl des Veranstalters! Plötzliche überraschende Verengungen der Straße, waren das harmloseste. Teilweise Schlaglöcher, so breit wie Gullis und bis zu 25 cm tief. Und viele Straßen, die man lieber bei Paris-Roubaix fahren sollte. Die Folge: Ein Teilnehmer nach dem anderen am Straßenrand mit defekten Laufrädern. Dort in einer großen Gruppe, ohne die Löcher sehen zu können, war fast unverantwortlich.

Auf diesem Abschnitt fand ich meine zwei spanischen Freunde. Ich schätze die beiden so um die 55 Jahre. Beide recht angeschlagen, waren sie auf dem freien Feld bei Gegenwind etwas verloren. Keine Gruppen in Sicht. Wenn ich mit einem kein Problem habe, dann ist das mit  Wind. Ich vorweg und die beiden hinten bei mir rein. Ich habe die beiden Ewigkeiten gezogen. Wenn dann mal die eine oder  andere Steigung kam, die ich so gar nicht mehr fahren konnte und ich langsamer wurde, kam jedes Mal ein Muchas Gracias und die beiden feuerten mich an, die Steigungen zu meistern. Einer der beiden hat sich irgendwann in eine andere Gruppe begeben, die wir aber kurz vor Schluss wieder kassiert haben.

Der andere Spanier hat mich bis zum Schluss begleitet. Flach, ich der deutsche D-Zug und bergauf spanisch/englische Motivation. Er wäre jedes Mal am Berg schneller gewesen, wich aber nicht von meiner Seite.

Irgendwann erreichten wir Arta. Die Mega-Party-Station. Hier natürlich wieder richtig Stau und obwohl ich mir nur eine Cola abgeholt habe, war es definitiv der längste Stopp. Stimmung: unbezahlbar.

Das letzte Stück (ca. 30km) ist nur noch Freude pur. Die Abfahrt von Arta entlohnt für alle Leiden. Kleine und große Gruppen donnern Richtung Ziel als ob sie gerade erst aufs Rad gestiegen sind. Alle mit einem Grinsen im Gesicht. 20km vor Ziel nur noch der Gedanke, jetzt keine Panne mehr. Ab Höhe can Picafort, wo mein Hotel ist, dann dieses berauschende Gefühl gleich durch zu sein. Ein Hochgefühl, zweites Mal heute Pipi in den Augen. Ab 5km vor Ziel totale Entspannung, wenn jetzt noch eine Panne kommt, schieb ich einfach ins Ziel…

 

Das Ziel der Mallorca 312

Mein spanischer Begleiter und ich ließen uns ca. 2km vor dem Ziel zurückfallen. Anstatt das letzte Stück wie die andern zu ballern, wollten wir genießen. Wir rollten gemütlich die Zieleinfahrt entlang, Bedankten uns beieinander und genossen. Wir überquerten gemeinsam das Ziel. Ich wurde selten in meinem Leben so herzlich von einem Fremden umarmt. Das letzte Mal, dass ich ihn dann sah, war schlafend in einem Plastikstuhl auf dem Messegelände 😊

Fazit zur Mallorca 312 – 2017

Was den Schmerzfaktor angeht, war es diesmal ganz anders gelagert. Die Beine waren am nächsten Tag komplett ok. Trotz intensiv getestetem Material, habe ich mir diesmal den Hintern ganz böse Wund gefahren, mein linker Zeh war zwei Tage taub, genau wie andere Bereiche (Panik, aber alles wieder funktional 😉). Und ich habe definitiv zu wenig Stabi gemacht. Bereits ab km 50 hatte ich massive Rückenprobleme, die mich teilweise echt zur Verzweiflung gebracht haben.

Im Gegensatz zum letzten Jahr bin ich deutlich besser gefahren. Die Zeit um 40 Minuten verbessert. Auf der Strecke bei 164 Strava-Segmenten einen neuen persönlichen Rekord erstellt. Und gelernt, man kann auch mit 9 Flaschen Sportgetränk, ca. 25 Gels, 2 Riegeln, 4 Bananen, einem Schokotörtchen und 4 Dosen Cola solch einen Tag überstehen. (nutrixxion wird definitiv die Verpflegung meiner nächsten Veranstaltungen).

Tour bei Strava

Galerie Mallorca 312

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