Ironman 70.3 Gdynia – Erfahrungsbericht

Gdynia 70.3

Ich fasse es nicht, nach über einem Jahr schreibe ich mal wieder einen Erfahrungsbericht über einen Triathlon, dem Ironman 70.3 Gdynia – meine erste Mitteldistanz. Die Mitteldistanz vor der ich so so soooo viel Angst hatte. In diesem Artikel erfahrt ihr alles von meiner Vorbereitung bis hin zu der Strecke des Ironman Gdynia 70.3.

Die Anmeldung zum Ironman 70.3 Gdynia

Das soll ein Erfahrungsbericht vom 70.3 Gdynia werden aber warum hab ich mich überhaupt für solch einen “Spaß” angemeldet? 

Wie das so ist, man hat schon den einen oder anderen Triathlon absolviert und in einem Moment der Euphorie und den natürlich nur schönen Erinnerungen denkt man sich: „warum eigentlich nicht? Ich schaff das schon – muss bestimmt mega sein“. ZACK geschaut und in Italien angemeldet, Italien?  Ja ich war letztes Jahr schon in Italien angemeldet und was war, es wurde abgesagt. Der Ironman 70.3 Gdynia wurde aber letztes Jahr im November ausgetragen. Nach den schönen Bilder war klar, vielleicht wird auch Gdynia meine erste Mitteldistanz.

Eines Abends weckte mich mein Freund und sagte, man kann sich jetzt für Gdynia anmelden. Im Halbschlaf dachte ich mir: „deswegen weckst du mich jetzt? Ernsthaft?“ Na ja, so schlaftrunken wie ich war ging ich ganz selbstverständlich nach unten, nahm mein Portmonee, zückte die Kreditkarte und ZACK ich war angemeldet. So schnell kann das also gehen 😀 .

Die Vorbereitung

Nun musste ein Plan her. Zuerst schaute ich nach Vorbereitungswettkämpfen, ZACK ging das, da war Hamburg gebucht, ZACK und eine andere Veranstaltung war auch gebucht und 2 Halbmarathons kann man ja auf dem Weg auch noch mitnehmen (wurde im Endeffekt alles abgesagt). Nur wie trainieren?

Erste Idee, Plan selber schreiben – war bisher immer die blödeste, da ich dann immer viel zu viel mache. 

Dann kam ich auf das Triathlon-Magazin und wusste Björn Geesmann von HYCYS schreibt dort die Pläne. Wie das Schicksal so wollte, gab es auch genau das, was ich mir vorgestellt habe. Online Trainingspläne in unterschiedlichen Kategorien aufgeteilt. Ich dachte mir, das ist bestimmt eine tolle Sache und ZACK war ich ein Teil der Community Power and Pace

Ich bin bis jetzt mega zufrieden, ich konnte nicht nur meine Bestzeiten in jedem Bereich knacken, sondern auch verletzungsfrei durch die Saison kommen. Außerdem macht es wahnsinnigen Spaß zu sehen wie alle eine große Triathlon-Familie werden (dazu aber vielleicht in einem gesonderten Artikel mehr).

Auf Gehts nach Gdynia

Kurz vorher machte ich mir schon in die Hose, ich dachte mir mit den wenigen Schwimmkilometern kannst du doch keine Mitteldistanz machen und auch noch im Meer schwimmen. Nein das bekomme ich nicht hin. Doch mein „Motivator“ zu Hause und mein eigener Ehrgeiz packten mich und ich dachte – Scheiß drauf, ich mach das jetzt  einfach!

ZACK, da waren wir also auf dem Weg nach Gdynia

Vorort war es toll, super Wetter alles sehr gut strukturiert und organisiert und auch eine kleine Messe gab es. Was will man also mehr 🙂 ?

Startunterlagen abholen, Rad fertig machen, Rad abgeben, bisschen Sightseeing, viel und gut essen und dann hoffentlich früh schlafen. 

Früh ging es zum Ironman Gdynia

3 Uhr – voll meine Zeit. Ich steh zwar früh auf aber das ist doch keine Uhrzeit zum Sport machen. Um 4:30 Uhr machte die Wechselzone auf und ich konnte mein Fahrrad noch schnell kontrollieren, Getränke auffüllen und Gels in meine Taschen packen. Wie das aber natürlich so ist mit Murphy… ZACK – es fing an zu nieseln. 

Wir gingen zum Start und ich musste erstmal auf die Toilette, wo ist hier eine Toilette? Das kann doch nicht sein das es keine Toilette im Startbereich gibt. Doch kann es, ich also in meinem Flip Flops zurückgerannt und eine Toilette gesucht. Panik und Aufregung pur sag ich euch 😀 . Im Nachhinein betrachtet muss ich schon selber über mich lachen. 

ZACK, schnell ins Wasser Einschwimmen – waren ja nur noch 35 min bis zum Start und dann nach hinten zur Startaufstellung. 

Schwimmen Ironman Gdynia 70.3

Da stand ich also zwischen vielen großen Menschen (wer mich nicht kennt, ich bin nur 159 cm groß) und konnte nur Rücken vor und neben mir sehen. Erst starteten die Profis, dann die Agegrouper. Es ging los, man merkte wie die Spannung sich bei allen auflud. Alle waren heiß, gleich los zu legen.

Der Typ vor mir gab mir noch ein Highfive und sagte – Yeah, go go und stellte sich an den Start. Danach stand ich an der Startlinie. Neben mir sieben, gefühlt 2 m große Männer. Jetzt hatte ich Lust und rannte beim nächsten Startschuss/piepen ins Wasser. 

Der Weg, bis man zum Schwimmen kam, war recht lang, da hatten mich schon die nächste Startwelle erreicht. Das geprügel im Wasser ging los. Leute, bei manchen denkt man wirklich, es geht um Leben und Tod. Ich, voller Panik, der Regen wurde immer doller, die Wellen wurden höher und gefühlt waren tausende Menschen um mich herum die nur ein Ziel verfolgten, mich irgendwie unter Wasser zu bekommen (natürlich nur mein Gefühl 😉 ). 

Ich hatte noch nie so viel Panik beim Schwimmen wie dort. Das erste Mal im Meer, das erste Mal (bei einem Triathlon) 1,9 Km schwimmen und dann auch noch mega schlechtes Wetter. Ich schwamm mich erstmal etwas frei und konnte dann nach ein wenig Brustschwimmen auch einen klaren Gedanken fassen und beschloss das Ding einfach ruhig und gelassen zu Ende zu schwimmen und mich nicht mehr mit diesen Prügel:inchen auseinander zu setzen.

Dann war es so weit, nur noch 100 Meter. Die Treppe war in Sicht.

Wechsel 1

Der Wechsel war eigentlich recht entspannt, über eine Treppe kam man an den Hafen, dort schnappte ich mir meinen Beutel und setze mich auf die Bank. Mischa stand hinter mir und wir unterhielten uns kurz, er war genauso klitschnass wie ich.

Badekappe in den Beutel, Neo in den Beutel und Socken an. Auf dem Weg zum Rad schnell ins Dixi, weil ich natürlich so viel Wasser geschluckt hatte, das ich wirklich mal eben schnell aufs Klo musste. Jetzt nur noch das Rad rausschieben und ab gings.

Radfahren Gdynia 70.3

„Ab gings“ ist wohl etwas übertrieben. Es regnete und regnete und regnete noch mehr. Die Straßen waren komplett Nass, überall große Pfützen und große Schlaglöcher die man durch die Pfützen nur erahnen konnte. Die Spurrillen waren voller Wasser und man hatte in etwa 30 cm Platz auf dem Mittelstreifen. 

Mein Garmin sprang immer automatisch von Seite zu Seite (Touch ist was Tolles) und ließ sich nicht mehr bedienen. Also nicht nach Watt fahren, auch gut, dann fahr ich halt nach Gefühl. Durch die rutschigen Straßen und die nicht sichtbaren Markierungen auf der Straße, gab es schon auf den ersten 25 Kilometern sehr viele, die am Straßenrand standen. Kaputte Fahrräder, kaputte Menschen – alles dabei.

Ich beschloss vorsichtiger zu fahren, um nicht am Schluss auch dort zu stehen. Da die Bergab Passagen sehr kurvig waren, musste man dort erst recht aufpassen aber bei mir klappte so weit alles. 

Ich weiß gar nicht mehr auf welchem Kilometer es war aber auf einem ca. 5 km langen Teilstück, wo der Straßenbelag sehr schlecht war, dachte sich jemand mich zu überholen. Ich hab ihn weder gehört noch habe ich Augen im Hinterkopf. Ich wich einem großen Schlagloch aus und “Boom” da war mir doch glatt jemand hinten reingefahren. Nach einem Schreck und einem sehr wackeligen Fahrrad, konnte ich aber weiterfahren, der andere hatte leider nicht so viel Glück. Schnell bin ich stehen geblieben und habe geschaut, ob es ihm gut geht und konnte dann aber recht fix weiter fahren und er hat auf den “Besenwagen” gewartet.

Die letzte Steigung war wirklich etwas fies und hat mir dann noch einmal ein bisschen Laktat in die Beine gepumpt aber auch das war noch alles machbar. 

Ach ja, auf Kilometer 50 (in etwa) hat es dann auch mal aufgehört zu regnen.

Auch, wenn ich noch nie so viel geflucht habe auf dem Radpart, ist die Strecke wirklich toll. Wenn es trocken gewesen wäre, hätte man dort wirklich richtig Speed machen können. 

Nach 3 Std und 10 min ging es dann vom Rad

Wechsel 2

Omi kommt vom Rad. Ich hatte alles geplant und fast alles ging auch auf. Radschuhe auf dem letzten Kilometer ausgezogen, drauf getreten und kurz vor dem Abstieg etwas Speed herausgenommen, jetzt das Bein hinten rüber —— Ähhhhhhhh—— geht nicht, ich hab das Bein nicht über meine Flasche bekommen. Kurz dachte ich, dass kannst du jetzt wirklich nicht bringen, hier anzuhalten und wie Omi vom Rad steigen (übrigens das ist keine Diskriminierung von älteren Herrschaften 😉 ). Doch es ging nicht anders.

Also anhalten, Bein über die Stange bekommen und zum Radplatz Laufen. Laufen konnte man das auch nicht mehr nennen und mir schwante schon böses. 

Rad abgestellt, und zu meinem roten und letzten Beutel gelaufen – vorher natürlich noch mal das Dixi mitgenommen, Schuhe an, Cap auf und los gings.

Laufen Gdynia 70.3

ZACK – jetzt kam doch meine Lieblingsdisziplin – nicht.

Der erste Kilometer fühlte sich seltsam an aber nicht unglaublich schlecht. Der Moderator auf der Laufstrecke empfing mich herzlich und das gab mir noch einmal einen kleinen Motivationsschub. Viele Leute standen an der Strecke und auch Mischa war schon wieder da um ein paar Bilder zu schießen. Auf dem zweiten Kilometer musste ich ganz kurz gehen. Da klopfte mir ein anderer Triathlet, den ich beim Radfahren überholt hatte, auf die Schulter und sagte irgendetwas auf Polnisch zu mir. Ich bildete mir ein, er hat bestimmt einen höchst motivierenden Spruch abgelassen und das zeigte komischerweise Wirkung. 

Also lief ich weiter und weiter und weiter, Mischa hüpfte von Ecke zu Ecke, um Fotos von mir zu machen und mich anzufeuern. Ich war einfach nur glücklich. Es lagen nur noch 18 Kilometer zwischen mir und dem Ziel.

Die Strecke war anspruchsvoll und hatte einige Höhenmeter. Gefühlt ging es die ersten 4 Km nur bergauf, 2 Km bergab, 2 Km bergauf und den Rest wieder bergab.

Die Stadt war voll und überall jubelten mir die Leute zu, ein enorm geiles Gefühl sag ich euch. 

Dann war auch schon die erste Runde um und es waren nur noch 10,5 Kilometer. Ich musste einfach nur noch grinsen. Ich war vollkommen geflasht, es war anstrengend aber es war trotzdem extrem cool.

Auf den letzten 5 Kilometern kam ich noch einmal an Mischa vorbei, der dieses Mal mit mir mitlief und mir eine Sprachnachricht von meinem Neffen vorgespielt hat: „Hop Hop Hop, du schaffst  das Andrea“. Da flossen dann das erste Mal die Tränchen. Vollkommen kaputt, überglücklich und dann auch noch solch ein süßer Anfeuerungsruf von zu Hause (er ist übrigens 2 Jahre alt).

Ich musste mich dann aber wirklich zusammenreißen, ich flog nur noch so dahin. Ich hätte es nicht für möglich gehalten aber nach den letzten 2 Kurven lief ich, Ich!!! die letzten 400 m (eine runde auf der Bahn) meiner ersten Mitteldistanz. Der Zielkanal war direkt am Strand und viele Leute jubelten und klatschten, was der Moderator sagte, habe ich gar nicht mehr verstanden. 

Ich sah nur noch das Ziel und dachte – heftig das hast du wirklich gemacht und nicht jemand anderes, du ganz allein! Du hast deine Ängste überwunden und hast was geschafft, was du vor 6 Std und 25 min nicht für Möglich gehalten hast. 

Im Ziel gab es dann die Medaille und ich musste mich erst einmal kurz setzen, mich sammeln, um danach mein Finisher Shirt abzuholen.

Fazit meine erste Mitteldistanz

  1. Nicht so schlimm wie gedacht
  2. Ja ich würde es wieder machen
  3. Regen ist trotzdem echt scheiße zum Radfahren
  4. Einfach nur Mega
  5. Den besten Motivator und Fotografen mitgehabt 😉

Fazit zum Ironman Gdynia 70.3 

Tolle Veranstaltung gut organisiert und auch die Strecken sind sehr cool. 

Schwimmen in der Ostsee, hügelige aber nicht bergige schnelle Radstrecke und eine Laufstrecke in der City von Gdynia mit dem Ziel direkt an der Promenade. Einfach allem in allem eine sehr, sehr coole Veranstaltung.

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