Euroeyes Cyclassics Hamburg

Cyclassics StartblockDass ich an den Cyclassics teilnehme, war schon lange geplant und genauso sehr habe ich mich auf die Veranstaltung gefreut. Noch mehr gefreut hat es mich, dass Claas und Heiko mit mir gefahren sind.

Wir haben uns vorgenommen die  100 Km zu fahren. Für die Jungs war dies auch kein Problem, bei mir wusste ich das noch nicht genau 😉 ich bin zwar schon öfters mal soweit gefahren und auch länger aber nicht auf Zeit und auch nicht ohne Pause…

Der Tag vor den Cyclassics

Am Samstag ging es gemeinsam von Bremen nach Hamburg. Nachdem wir im Hotel eingecheckt hatten, fuhren wir zum Veranstaltungsgelände (heute noch mit der U-Bahn) und holten unsere Startunterlagen ab. Startblock O (der letzte Startblock), hmm das ist glaube ich nicht so gut…

Es war selbst heute schon wahnsinng voll und ich war schon etwas kribbelig. Danach trafen wir Tim und gingen noch etwas über die Messe. Heiko kam auch endlich an und holte seine Startunterlagen ab. Da sagte doch glatt jemand zu ihm: „Startblock O, sowie Oh da braucht man auch gar nicht starten“ :D. Ich hoffe das war nur ein Scherz, sonst wäre das nämlich echt gemein gewesen. …

Jetzt wollten wir zum Rad Race, das habe ich noch nie gesehen, immer nur davon gehört. An der Strecke trafen wir dann Lena (durchhaltenistalles.de) und Maren (ichhasselaufen.de). Maren nahm sogar selber an dem Rad Race teil, echt cool.

Jedes Mal wurde herunter gezählt… 3, 2, 1 – Kick it! Die Fahrer die von einer Rampe auf die Straße fuhren, gaben richtig Gas. 200m Sprint und alle Zuschauer trommelten auf die Bande und feuerten jeden einzelnen Fahrer an. Echtes Gänsehaut Feeling und gedanklich kam der Start immer näher…

Das Rennen kann starten nur ich bin Müde 😀

Jedes Mal vor einem Event, schlafe ich ziemlich unruhig (wenn ich überhaupt schlafe). Ich versuchte mich immer wieder zu beruhigen. Es ging auch für etwa eine Stunde aber es war definitiv zu wenig Schlaf. Mein Magen spielte auch Mal wieder verrückt und auch mein Kopf sagte mir jetzt: „Du bist definitiv nicht fit“. Jetzt hatte ich noch mehr Angst. Ich bin schon Ewigkeiten keine 100 Km mehr gefahren – Warum mache ich das eigentlich? Die Jungs waren beim Frühstück schon wesentlich besser drauf als ich 😀

Nach dem Frühstück ging es dann gemeinsam mit dem Rad zu unserem Startblock. Das gute an dem Startblock war, wir hatten morgens keinen Stress. Start 9:15 Uhr – Da gibt es wesentlich schlimmeres 😉

Am Start waren wir so „frech“ und reihten uns vorne ein, die Verkehrsinsel war ja noch frei 🙂 . Somit standen wir direkt hinter dem Absperrband des Startblocks. Schnell gesellte sich ein netter Typ von der Safer Cycling Crew zu uns und wir quatschten noch etwas. Noch 20 min bis zum Start.

Ich glaube mein Puls ging da schon recht in die Höhe, weil ich mich so unfit gefühlt habe und einfach eine Wahnsinns Angst hatte (warum auch immer).

Noch 3 min bis zum Start – Puh mein Herz fing richtig an zu klopfen, gleich durfte ich auf mein erstes Radrennen…

Der Start – Es klickte überall 😉

Dann kam der Countdown, alle zählten mit – 3, 2, 1 – GO!!! Überall hörte man nur das Klicken der Schuhe, die in die Pedale einrasteten und alle fuhren los. Ich hatte schon einen recht starken Antritt im Gegensatz zu manch anderen. Heiko war aber so fix 500 m weiter vorne, dass wir ihn gleich auf den ersten Metern hinter dem Ziel verloren hatten :D. Claas blieb bei mir ☺  und wir fuhren Richtung Köhlbrandbrücke.

Hier konnte man schon merken, dass der Wind ganz schön heftig war und die ersten 50 Km waren mit Sicherheit nur Wind von vorne.

Meine Aufregung legte sich gar nicht mehr. Ich überlegte mir warum ich so aufgeregt war und fand eigentlich keinen Grund. Ich fahre Fahrrad, ich liebe Fahrrad fahren und dann auch noch auf einer so tollen Veranstaltung mit Leuten die diesen Sport genauso gerne betreiben wie ich. Es lag, denke ich mit an meiner eigenen Erwartungshaltung. Jetzt kam die Brücke, da hatte ich keine Zeit mehr zu überlegen, wie oder warum ich so aufgeregt war. Es ging Berg auf mit kräftigen Seitenwind, hier merkte ich wieder, wie schlecht ich Steigungen fahren kann (für mich war das schon ein Berg ;)).

Ich keuchte hier schon kräftig und wusste ja die Harburger Berge kommen noch ☹ …

Tief Durchatmen

Nachdem ich oben ein paar Mal tief durchgeatmet habe, konnte ich kurzzeitig die Aussicht genießen. Der Wind war aber so stark dort oben, dass ich mich dafür entschied mich auf das Fahrrad und meine Mitfahrer zu konzentrieren. Claas hatte oben das Tempo rausgenommen damit ich ihn wieder einholen konnte.

Jetzt ging es erst einmal super weiter, wir hatten kurzzeitig eine kleine Gruppe – bis sie mir zu langsam wurde und ich Claas sagte, dass er ruhig rausfahren kann. Er fuhr vor und gab mir Windschatten und wir versuchten eine andere Gruppe zu finden. Leider war es aber in der Geraden recht schwierig, da die meisten Gruppen für uns einfach zu langsam fuhren.

Also fuhren wir größtenteils zu zweit, das war zwar wesentlich anstrengender aber uns blieb nichts anderes übrig. Langsamer fahren als eigentlich möglich, war dann doch keine Option 😉

Aber kaum waren wir am Berg, ging mein Tempo rapide zurück. Claas fuhr am Berg immer vor und war total entspannt, im Gegensatz zu mir :D. Ich war jetzt schon sauer auf mich selber – Warum komme ich die blöden Steigungen nicht hoch? – Naja im Nachhinein betrachtet ist das ja kein Wunder, wann bin ich das letzte Mal mehr als 200 hm gefahren …. 😀

Die Leute an der Strecke waren aber total toll, viele hatten Schilder gebastelt oder klatschten uns zu. Ein paar Frauen riefen mir zu: „komm schon, einfach treten ihr könnt das genauso gut wie die Männer“ da musste ich wirklich leicht schmunzeln – da Claas da vorne ganz locker vor sich hindümpelte und auf mich wartete 🙂

Noch 7 Km Bergauf

Dann ging es kurz runter aber leider gleich wieder hoch, Claas sagte mir immer schon: „nimm den Schwung mit und früh genug schalten“. Ok wusste ich selber und unter normalen Bedingungen hätte ich ihm das an den Kopf geknallt aber ich war momentan (noch) froh über das Gerede, weil alles was ablenkte war gut. Jetzt kam aber das schlimmste was er machen konnte – er sagte: „noch etwa 7 km, dann sind die Berge (Steigungen) hier vorbei“. 7 KM ???? (mir fehlen die smileys um mein Entsetzen rüber zu bringen 😉 )

In dem Moment verließ mich erst einmal jede Kraft (mein Kopf darf so etwas nicht wissen)…. Kurze Zeit später sagte ich mir aber dass es kompletter Blödsinn ist und ich noch genug Kraft habe, um das zu schaffen. Die Leute an den Seiten waren für mich nun wieder präsent und ich versuchte mich auf alles andere zu konzentrieren als auf diesen Berg … Das war auch gut so….  Kurz bevor ich oben war, lass es noch 2 Km gewesen sein, machte sich mein Rücken bemerkbar – Oh man- das hat jetzt gefehlt. Es zog vom unteren Rücken bis zu meinen Schultern und über den Brustkorb… Ich hatte das Gefühl, dass ich nicht mehr richtig atmen konnte und musste mich selber immer wieder beruhigen – Das ist nur die Muskulatur, dir geht es bestens….

Jetzt geht es wieder weiter 🙂

Bergab und auf der Geraden brauchte ich nun etwas länger um meine Kräfte zu sammeln und den Rhythmus wieder zu finden. Als alles wieder so weit ging – sagte ich Claas er dürfte nun wieder etwas Gas geben…

Dann machte es auch wieder richtig Spaß ☺ .  Wir fuhren wirklich schnell Berg ab. Ich überholte ihn sogar kurzzeitig 😀 und versuchte an die nächste Gruppe ranzukommen. Er sagte: „ komm versuch reinzukommen“ und ich nutzte die nächste Lücke – Hmmm aber irgendwie war das hier zu langsam…. Also wieder raus…

Das ging dann die ganze Zeit in etwa so:

  1. Gruppe gefunden
  2. Gruppe bergauf verloren
  3. An die Gruppe wieder rangefahren
  4. Gemerkt die Gruppe ist zu langsam
  5. Aus der Gruppe raus
  6. An der Gruppe vorbei
  7. Bis zur nächsten Gruppe (wenn denn eine da war)

Ehrliche Arbeit

Also eigentlich kann man sagen, bis Km 50 fuhren wir zu zweit…. Dann kam die Verpflegungsstation (die wir aber ignorierten) und das Feld wurde noch einmal kleiner. Ich dachte mir nur ok, die fehlenden Gruppen machen das nicht einfacher heute. Claas betonte aber immer wieder: „Du kannst sagen es war ehrliche Arbeit“.

Auf einmal bekam ich einen Klaps auf den Hintern und erschrak total – Heiko war wieder da :D. Ich hätte nicht gedacht, dass ich ihn nochmal sehe, bis wir ins Ziel kommen. Jetzt ging es zu dritt weiter. Die beiden Männer quatschten die ganze Zeit munter vor sich hin und ich stöhnte bei jeder kleinen Steigung und ärgerte mich wahnsinnig, dass mir schon wieder etwas wehtat. Aber wenigstens hatten wir kein Gegenwind mehr – das war schon mal was….

Heiko versuchte glaube ich 2 Mal mit mir zu sprechen – Ich war aber schon in einem „Zustand“ in dem ich keine Lust mehr hatte zu sprechen. Ich sah nicht mehr viel von der Strecke. Ich konzentrierte mich nur noch auf die Hinterräder und die Popos von Heiko und Claas 😀

So langsam tat alles weh und ich wollte nur noch vom Rad runter – Mein Rücken war so schlimm und wurde immer schlimmer – Aber so bekloppt wie ich auch bin, wollte ich auch nicht aufgeben. Claas sagte nur zwischendurch zu mir, dass ich das ganz Klasse mache und wenn ich wüsste wie schnell wir zwischendurch fahren, ich das genauso sehen würde. Ich fahre bei sowas immer ohne Tacho, weil mein Kopf mir sonst sagt, dass das alles viel zu schnell ist :D.

Ein Großer Schreck

In einem Kreisverkehr wurde dann meine Herzfrequenz durch Claas noch einmal etwas erhöht …. In einer scharfen rechts Kurve, fuhr Claas außen neben mir und zog auf einmal nach innen und erwischte fast mein Vorderrad, ich hatte so eine Angst, in diesem Moment und in meinem Kopf sah ich mich schon fallen…. Aber es ist alles gut gegangen ☺

Zwischendurch machte das Fahren richtig spaß, aber ich konnte keine Steigungen mehr sehen… Da waren 2 Meter schon zu viel…. Die Männer versuchten mich darüber zu ziehen, was auch teilweise klappte, bis der Wind wieder dazu kam… Ich bekam wahnsinnigen Hunger. Claas erinnerte mich immer zwischendurch, dass ich auch mal was trinken muss 😀 Ich aß eine kleine Ecke von meinem Riegel und trank einen großen Schluck aus meiner Flasche.

Ich klemmte mich nun hinter Heiko und Claas wechselte nach jeder Kurve die Seite, um mir zusätzlichen Windschatten zu geben. Was mir zu diesem Zeitpunkt gar nicht auffiel war, dass sich hinter uns eine riesen Gruppe gebildet hatte, die sich bei uns reingehangen hat. Die mussten sich wahrscheinlich alle gefragt haben, warum die beiden vorne zwischen durch immer so langsam wurden (bergauf…) 😀

Gleich Geschafft – Oder auch nicht…

Dann kamen wir wieder in den Hafen und ich dachte, gleich sind wir fertig, wir sind gleich wieder in der Stadt … Juhuuu gleich hab ich es geschafft … wie cool ist das denn ☺ Aber auch der Wind wurde hier wieder richtig stark und meine Euphorie war recht schnell vorbei – Ich hatte das Gefühl nicht mehr von der Stelle zu kommen – Claas fragte mich ob ich noch ein Gel hätte und wenn ja, wäre jetzt der Zeitpunkt es zu nehmen – Ja Chef! mach ich, dachte ich mir nur….  ☺ und nahm das Gel…  (Claas wusste im Gegensatz zu mir, dass jetzt noch knapp 20 km anstanden…)

So…. Endspurt dachte ich mir – ich sah überall Schilder in Richtung Zentrum und es ging wieder über Brücken – Also gleich da. Das „gleich da“ zog und zog sich und mein Rücken zog nach oben und in mein Bein – Das waren so langsam wirklich richtige Schmerzen, was man immer lauter hörte (ich kann mich da ja nicht zurück halten). Als wir in der Stadt waren, ging es nicht mehr und mir liefen die Tränen runter (wenn ich das hier gerade schreibe, denke ich:wie bekloppt!)… Jetzt war es aber wirklich nicht mehr weit…. Auf Höhe des Ziels sagte Claas aber auf einmal: „noch etwa 4 Km, dann hast du es geschafft“ … 4 Km? ich dachte ich hör nicht richtig…. Ok irgendwie geht das auch noch…

Dann kam endlich die Zieleinfahrt…. Claas sagte jetzt jede 100 Meter an… Ich pflaumte ihn an, dass er das lassen soll (stand ja auch dran 😉 ) . Die Zuschauer, die an der Seite standen klopften, wie wir am Tag davor beim Rad Race, gegen die Bande und feuerten jeden an. Jetzt konnte ich auch wieder grinsen und fuhr überglücklich, es geschafft zu haben ins Ziel 🙂

Mein Resume der Euroeyes Cylassics

Es war ein tolles Event und ich hatte wahnsinnig viel Spaß…

  • Die Strecke war super.
  • Es war gut organisiert.
  • Es war alles sicher ausgeschildert (Gefahrenstellen etc.).
  • Die Zuschauer waren toll.
  • Das Rahmenprogramm war gut (gerade das Rad Race).

Also ich komme sehr sehr gerne wieder….. 🙂

Und noch einmal ein großes großes Dankeschön an Heiko und Claas, dass ihr mich da so grandios durchgezogen habt und meine teilweise nicht so nette Art ertragen habt 😉 Ich fand es wirklich toll mit euch beiden… fühlt euch ganz ganz dolle gedückt ☺

 

 

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